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Kultur in Winterthur
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Geschichte

Erbaut wurde das Holzmagazin vor dem Holdertor im Jahr 1765. Um das Erdgeschoss von Säulen und Stützen frei zu halten, wurden die Böden in den oberen Geschossen 15 Meter gespannt und am Dachstuhl aufgehängt. 1846 wurde das Magazin zur Kaserne umgenutzt. Im Erdgeschoss wurden Ställe sowie eine Reitschule eingerichtet, in den Obergeschossen die Kavallerie-Rekruten untergebracht. Ab 1900 wurde die Kaserne nicht mehr nur militärisch genutzt: Das Bauamt stellte Material, Werkzeug und Karren ein, die Feuerwehr führte Kletterübungen durch, die Volksküche wurde im Haus einquartiert. Die landwirtschaftliche Schule nutzte einen Teil der Räumlichkeiten und während des 1. Weltkriegs fanden Flüchtlinge Aufnahme in der Kaserne. Das Gebäude diente ab 1926 während fast 60 Jahren als Unterkunft für die Radfahrer-Rekrutenschulen. Zudem wurden militärische Kurse abgehalten und Ausstellungen gemacht.

Die stimmberechtigten Winterthurerinnen und Winterthurer hatten 1984 die SP-Initiative für eine Kulturkaserne abgelehnt. Nach einer Phase der Projektierung und der Kostenermittlung stimmten Stadtrat, Gemeinderat und Bevölkerung einem Umbau und Renovationskredit in der Höhe von rund 7 Millionen Franken zu. Kaum war die Volksabstimmung überstanden, zerstörte ein Brand in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1987 den tragenden Dachstock des Hauses.

Im März 1988, ein halbes Jahr nach dem verheerenden Feuer, beschloss der Stadtrat die Neukonstruktion der inneren Struktur unter Einbezug aller noch brauchbaren Teile der Kaserne. Das Konzept des Winterthurer Architekten Ernst Zollinger überzeugte mit der Idee, ein Haus im Haus zu bauen: Die alte Aussenhülle blieb bestehen, das Innenleben wurde neu gestaltet. Nach langen Diskussionen mit vielen verschiedenen Gruppen und Vereinen über das Raumkonzept und die Benutzerstruktur wurde im Juni 1991 das Betriebskonzept für eine «Kulturell orientierte Freizeitanlage» vom Stadtrat genehmigt. Angesiedelt wurde sie bei der städtischen Geschäftsstelle für Gemeinwesenarbeit.

Die Alte Kaserne öffnete am 7. November 1992 ihre Tore. Schnell füllte sich das Haus mit Leben. Aus allen Schichten der Bevölkerung interessierten sich Leute für die Räume der Alten Kaserne. Tanzkurse, Spielgruppen, interkulturelle Vereine, Schachklubs, Harmonikaspieler, Malkurse, private Feiern, Mütterzentrum (heute Familienzentrum), das Albanifest-Komitee und viele andere nutzten und schätzten die Räume. Erste Eigenveranstaltungen wurden erfolgreich durchgeführt. Einzig das Bistrokonzept hat sich erst nach ein paar Erfahrungsjahren so etabliert wie man es heute kennt. Dies lag vor allem an fehlenden Stellenprozenten und entsprechend kurzen Öffnungszeiten.

Um zeitgemäss zu bleiben, wurde die städtische Freizeitanlage in «Alte Kaserne Kulturzentrum» umbenannt. Heute ist das Sekretariat unter der Woche morgens und nachmittags besetzt. Nach wie vor bieten wir hier zusätzlich zur Raumvermietung auch eine professionelle und umfassende Veranstaltungsberatung an. Das Bistro ist beliebter Treffpunkt für die vielen Besucherinnen und Besucher im Haus. Über Mittag wird täglich ein frisch zubereitetes vegetarisches Menü angeboten. Am Abend ist das Bistroteam auch für die Anliegen und die Sicherheit der Kundschaft im Haus zuständig. Sie helfen, wenn der Lift stecken bleibt oder wenn der Beamer nicht funktioniert.

Von den ersten Benutzerinnen und Benutzer der Räume sind auch heute noch viele im Haus präsent. So finden zum Beispiel die monatlichen Nachtessen des Bewohnervereins Altstadt noch immer im Raum Quartier statt. Im Untergrund der Kaserne – im Raum Musik – übt zweimal pro Woche auch nach 20 Jahren noch die Stadtmusik und im Dach der Alten Kaserne haben nach wie vor drei Künstlerateliers ihren Platz. Der Verein Afro-Pfingsten und die Schachgesellschaft nutzen die Räume der Alten Kaserne genauso selbstverständlich wie Jazz in Winterthur und viele andere Vereine. 

In Zahlen ausgedrückt finden in der Alten Kaserne heute rund 1'600 Einzelveranstaltungen statt. Dazu kommen regelmässige Nutzungen und Kurse von jährlich rund 2'500 Nutzungseinheiten. Inhaltliche Schwerpunkte der rund 70 Eigenveranstaltungen pro Jahr sind Integration, Familien- und Jugendkultur, Lesungen und Musik, Kulturwerkstätten und Veranstaltungen mit soziokulturellem Inhalt. Im Rahmen der Integrationskultur arbeitet das Team seit einigen Jahren mit gehörlosen Menschen zusammen. Das Team greift neue kulturelle Bedürfnisse und Strömungen auf und setzt diese in Zusammenarbeit mit Menschen aus Winterthur um. So prägen die Veranstaltungen der Alten Kaserne auch in Zukunft das kulturelle Leben der Stadt mit.

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